59 Stand 16 Einzelchargen sind durchgehend mit den Namen ihrer aktuellen In- haber verzeichnet. Die Summen gehen über Verpflegung weit hinaus, z.B. werden “Canzley- und Casernen-Aufwand”, “Unterhaltung der musikalischen Instrumente”, “Feuergewehr-Reparaturgelder”, diverse “Löhnung” sowie “Übrige Gebührnisse” veranschlagt und spezifiziert. Die Rubriken sind säuberlich aufsummiert, p.64 zusammengefaßt und aufs Jahr hochgerechnet: monatlich über 185.000, jährlich über 2 Millionen Taler. Dem stehen auf den letzten Seiten “Einnahme-Fonds” aus Steuern, Zuschüssen, Milizgeldern etc. in fast gleicher Höhe gegen- über. Ausgaben und Einnahmen schließen mit einem Sichtvermerk, der jedoch ungezeichnet blieb. - Einbandbezug an Rücken und Kanten teils abgeblättert. Vereinzelte Flecken, insgesamt frisch. Eichwald, K. E. Naturhistorische Skizze von Lithauen, Volhynien  und  Podolien  in  geognostisch-mineralogi- scher, botanischer und zoologischer Hinsicht. Wilna, auf Kosten des Verfassers gedruckt bei J. Zawadzki, 1830. 4to. 3 Bl., 256 S., 3 lithographierte Tafeln, die erste zu- sätzlich in einem Zustandsdruck beigebunden. Glatter grüner Halbmaroquinband d. Zt. mit reicher Romanti- ker-Rückenvergoldung und marmoriertem Deckelbezug. € 1.800,- Einzige Ausgabe, Alexander von Humboldt gewidmet. Enthält den ersten geologischen Schnitt durch das westliche Rußland von Nord nach Süd. “In the early 1830’s Eichwald was the first to divide the entire geologic column over the distance from Lithuania to the Black Sea, distinguishing detailed units from Transition beds, i.e. Lower Paleozoic, up to Quaternary deposits, inclusive” (DSB). Einem fast ausgestorbenen Tier wendet Eichwald sich am Schluß des zoologi- schen  Abschnittes  zu:  der  berühmten  Auer-  oder Wisenthege  im Urwald von Bialowesha, mit Plan und Darstellung des Tieres in zwei Druckzuständen. - DSB IV, p. 307 ff.; NDB IV, p. 387; Pritzel no. 2651. - Vorzugsexemplar auf feinem Schreibpapier in einem russischen Romantikereinband für Maximilian von Leuchtenberg (1817-52), der 1839 Maria Nikolajewna, Tochter des Zaren Nikolaus I., heiratete und eine prachtvolle Sammlung besonders russischer Mineralien anlegte. Im vorderen Innendeckel sein Exlibris. Vereinzelt Stockfleckenanflug, sonst frisch und breitrandig. Hopfer – Opera Hopferiana. 92 Abdrücke von Stahl- platten der Gebrüder Daniel, Hieronymus und Lamb- recht  Hopfer.  Frankfurt  am  Main,  C.  W.  Silberberg, (1802). Folio. 4 Bl., 53 einseitig bedruckte Tafeln mit 92 Eisenradierungen von den originalen Platten. Maroqui- nierter brauner Halblederband um 1830 mit goldgepräg- tem Rückentitel und Rankwerkvergoldung, Leinenbezug der Deckel durch Goldfilete abgesetzt. € 12.500,- Daniel Hopfer (Kaufbeuren um 1470 - 1536 Augsburg) war “der wich- tigste Harnischätzer des Künstlerkreises um Maximilian I.” (NDB). Im Berliner Zeughaus haben sich ein Roßharnisch für Herzog Fried- rich II. von Liegnitz sowie ein Mantelhelm Kaiser Karls V. mit seinen Verzierungen erhalten. Hopfer war der erste, der die Waffenätzung auf die Eisenradierung übertrug, gefolgt von  Dürer und Burgkmair. Hopfer gilt als Erfinder der Radierung in der Reproduktionsgraphik. - Zeitgenössische Abzüge von Eisenradierungen Daniel Hopfers und seiner Söhne (nicht Brüder) Hieronymus und Lambert sind selten. In der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts gab der Nürnberger Kunsthändler David Funck 230 Original-Platten erneut heraus. Diese Abzüge sind an eingestochenen Nummern als zweiter Zustand kenntlich. Die von Funck benutzten Platten wurden zerstreut, 92 von ihnen gelangten um 1800 in den Besitz des Frankfurter Sammlers und Verlegers Carl Wilhelm Silberberg. Er ließ sie auf starkem Bütten ein letztes Mal abziehen, nach Jäck & Heller (Beiträge zur Kunst- und Literatur- Geschichte,  1822,  p.  96)  in  lediglich  60  Exemplaren.  Silberbergs Platten  kamen  1839  in  den  Berliner  Kunsthandel,  ein Teil  ist  im Kupferstichkabinett erhalten. Seine Abzüge weisen erstaunlich gerin- ge Rost- und Abnutzungsspuren auf, sind schwarz und gratig, samtig an den für Hopfer typischen Mehrfachätzungen. Im Gegensatz zu Funck versah Silberberg die Platten lediglich mit Bleistiftnummern auf  den  Druckbögen,  erschlossen  durch  ein  typographisches Ver- zeichnis. Danach sind 57 Radierungen Daniel Hopfers enthalten, 21 von Hieronymus und 14 von Lambert Hopfer. Charakteristisch für Daniel sind Ornamentstiche, die Elemente der deutschen Gotik mit italienischen Grotesken verschmelzen. Seine Vorlageblätter für Möbel und Innenarchitekturen sowie Ansichten ganzer Kirchenräume gelten als Vorreiter  der  deutschen  Renaissance.  Hopfers  reformatorische Gesinnung  spiegeln  das  berühmte  Luther-Portrait  nach  Cranach